

Ein lauschender Blick empfängt, wartet und verweilt. Er macht eine andere Form der Gegenwart möglich – eine Gegenwart, die nicht vom Wissen bestimmt ist, sondern von der Bereitschaft, sich berühren zu lassen und dem Anderen Raum zu geben, sich zu zeigen.
Immer wieder fasziniert mich bei der Arbeit mit Kindern und
Erwachsenen, wie sich die Dynamik im Raum entfaltet: Wie
Begegnungen entstehen, Beziehungsgeflechte sich verändern und
im gemeinsamen Rhythmus immer wieder neu gesucht und neu
gefunden werden.
Aus vielen einzelnen Impulsen entsteht Schritt für Schritt eine
gemeinsame Form. Ein Tuch, ein Stab, ein Ball, ein Stück
Papier, ein Atemzug, ein Schritt, eine Pause – all das kann
eine Einladung sein, damit Lauschen in Bewegung geschehen
kann.
Lauschen in Bewegung macht den demokratischen Klang und die
Erfahrung von Menschenrechten unmittelbar erfahrbar.


Oft werde ich nach der Methode gefragt. Doch gerade darum geht
es nicht. Spiel lässt sich nicht in eine starre Methode fassen.
Es braucht Offenheit, ein lauschendes Sehen und eine lauschende
Haltung.
In meinem Verständnis entsteht Spiel im Dreiklang von
Mitgestaltung, Mitverantwortung und Mittragen. Diese drei
Dimensionen lassen sich nicht verordnen; sie wachsen in
Beziehungen und aus der Bereitschaft, Verschiedenheit
zuzulassen und als Bereicherung zu verstehen.
Spiel ist eine Sprache, die dem Wort vorausgeht. Es ist die Sprache der Bewegung, der Geste, des Rhythmus und der Begegnung. Vielleicht liegt gerade darin seine besondere Kraft und Freude.
Spiel eröffnet Räume, in denen Menschen einander begegnen,
Unterschiede aushalten, gemeinsam Bedeutungen schaffen und
Neues entstehen lassen. Es ist ein Erfahrungsraum, in dem
Kreativität, Vertrauen und Mitverantwortung wachsen
können.
So verstanden ist Spiel keine Methode, sondern eine Haltung. Es
lebt von der Kunst, gegenwärtig zu sein, aufmerksam zu lauschen
und dem zu vertrauen, was sich im gemeinsamen Tun entfalten
möchte.
